03.11.2008: Zum Bericht „13 Hunde aus Pudelzucht gerettet“ und dem Leserbrief der „Züchterin“ Dagmar Braun aus Wilburgstetten

Am 3.10.08 (Feiertag) ging ein Anruf von Dagmar Braun beim Tierschutzverein ein. Tränenüberströmt bat Frau Braun sofort nach Wilburgstetten zu kommen, da ihr Mann sie mit einem Hammer verfolge und angedroht habe, ihre Hunde umzubringen.

Der Unterzeichnete sowie der langjährige Tierschutzaktivist und Beirat Gerhard Neudeck machten sich umgehend auf den Weg, um Hilfe zu leisten. Beim Anwesen der Hundezüchterin angelangt, wurden wir sofort von einer wild kläffenden Meute umringt. Da die Hunde außerordentlich ängstlich waren, konnten sie im Hof nicht eingefangen werden. Vielmehr wurden sie ins Haus gelockt und dort in unsere Transportkäfige verladen.

Auf meine Frage hin, ob angesichts der akuten Bedrohung auch die Polizei gerufen worden sei, wurde mir mitgeteilt, dass die Polizeidienststelle verständigt wurde. Allerdings wollten die Beamten erst einschreiten, wenn es zu einer Verletzung gekommen sei. Die Freundin der Betroffenen berichtete ferner, dass ähnlich Vorfälle schon häufiger vorgekommen seien. Frau Braun sei inzwischen unter Hinterlassung der Hunde nach Burk gezogen.

Doch nun zu den Hunden: Wir übernahmen 13 Hunde, davon 11 Pudel, 1 Mops und 1 Pudel-Mops-Mischling (10 Hündinnen, 3 Rüden). Weitere Hunde sollen bereits früher vom Grundstück gebracht worden sein. Eine Reihe von Großpudeln bellte von der Veranda. Außerdem wurde mir mitgeteilt, dass vor etwa einem Jahr vier Schnauzermischlinge in den Garten geworfen worden seien. Diese Hunde würden seither im Garten leben. Man könne sie nicht einfangen, sie würden sofort beißen. Man könne noch nicht mal sagen, ob es Rüden oder Hündinnen seien. Auch hier erklärten wir, helfen zu wollen, auch wenn uns die Story nahezu unglaublich erschien.

In den folgenden Tagen wurden die Hunde einer eingehenden tierärztlichen Untersuchung unterzogen. Dabei stellte sich der miserable Gesundheitszustand der allermeisten Hunde dar. Sie waren größtenteils abgemagert, verfloht und verwurmt. Dankenswerterweise übernahm der Hundesalon „Wollknäulchen“ von Sonja Enßlin, Untermagerbein, kostenlos die mühevolle Aufgabe, das z.T. verfilzte Fell der Hunde zu pflegen und zu scheren.

Der sog. „Zuchtrüde Uli“ hatte ein völlig vereitertes Gebiss und konnte kaum mehr fressen. Der linke Vorderlauf war gebrochen und nicht mehr richtig zusammen geheilt, woraus sich eine ständige erhebliche Lahmheit ergibt. Außerdem hat dieser Hund einen chronischen Penisvorfall und eine Entzündung der Gehörgänge. Gerade der unglaublich schlechte Zustand des Gebisses bei fast allen Hunden verursachte den Tieren erhebliche und lang andauernde Leiden, die ohne weiteres vermeidbar gewesen wären. Folgen waren massive Zahnfleischentzündungen, vereiterte Kiefer und Zahnausfall.



Die neunjährige Lilli hat eine unbehandelte Unterkieferfraktur, die sie beim Fressen erheblich hindert. Niemand kann sich vorstellen, welche Schmerzen die Hündin erleiden musste und mit welcher Mühe die Futteraufnahme verbunden war. Inzwischen ist das Gebiss völlig verrottet, weil das Tier nur schlingen kann. Wir hoffen darauf, dass sich ein Tierfreund findet, der die jetzt aufwendige Operation in einer Spezialklinik bezahlt.

Mehrere Tiere zeigen Lahmheiten unterschiedlicher Art. Kein einziger Hund war annähernd ausreichend geimpft. Die letzten Impfungen lagen z.T. sechs Jahre zurück. Es konnten auch nur wenige Impfpässe übergeben werden.

Richtig schockiert waren wir, als wir feststellen mussten, dass mehrere Hündinnen trächtig waren. Kein Wunder, nachdem Rüden und Hündinnen gemeinsam gehalten wurden. Inzwischen hat die zweite Hündin Mischlinge geworfen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob noch weitere Hündinnen folgen.

Mit viel Liebe und Mühe wurden die meisten der völlig verängstigten Hunde inzwischen leinenführig gemacht. Auf die Hilfe bei der Vermittlung durch Frau Braun verzichten wir, weil wir nicht sicherstellen können, ob mit den z.T. ausgemergelten Tieren nicht doch noch weitergezüchtet wird.

Dass dem Tierschutzverein durch die Übernahme der Tiere erhebliche Kosten entstanden sind und noch entstehen werden, steht ganz außer Frage. Dies wird jedoch unser Engagement nicht beeinflussen. Dies gilt auch für ein anwaltschaftliches Schreiben, das inzwischen eingetroffen ist. Dazu waren wohl ausreichend Mittel vorhanden.

Für uns Tierschützer gibt es nur einen Ausdruck für diese Hundehaltung, nämlich Tierquälerei. Auf eine Anzeige wurde lediglich aus Rücksicht auf die prekäre familiäre Situation verzichtet. Selbstverständlich wurden die Befunde dokumentiert. Wichtig wäre es natürlich auch zu prüfen, wie es den verbliebenen oder ausgelagerten Tieren geht, und wie das Schicksal der armen Hunde im Garten ist.

Tierschutzverein Nördlingen u.Umg. e.V.
Dr. Wulf-D. Kavasch
1. Vorsitzender