Startseite Tierhaltung Das Chinchilla ist kein Streicheltier!

Das Chinchilla ist kein Streicheltier!

Drucken PDF

chinchillaDie Heimat der Chinchillas ist Südamerika. Ihr natürlicher Lebensraum liegt in den Anden wo sie in bis zu 5 000 m Höhe in Höhlen und Felsspalten leben. Von den Spaniern wurden die ersten Chinchillafelle nach Deutschland gebracht. Da besonders im 18. und 19. Jahrhundert Pelze von Chinchillas sehr kostbar waren, wurden sie in ihrer Heimat intensiv bejagt. Die ersten Züchtungsversuche gelangen erst im 20. Jahrhundert. Nach dem 2. Weltkrieg begann man auch in Deutschland mit der Zucht dieser Pelztiere. Von den verschiedenen Chinchilla-Arten erfreut sich das Langschwanz-Chinchilla seit einigen Jahren steigender Beliebtheit als Heimtier. Man unterscheidet unterschiedliche Zuchtvarianten: Weiß, Silber, Schwarz (Black Velvet), Beige und Braun (Brown Velvet).

 

 

Kleine Chinchilla-Biologie
Der Langschwanz-Chinchilla oder Kleine Chinchilla hat einen kleinen Körper (ca. 25 cm), einen langen Schwanz und große runde Ohren. Das Körpergewicht beträgt 400-600 Gramm. Nach einer Trächtigkeit von 111 Tagen wirft das Chinchillaweibchen bis zu dreimal im Jahr 1-4 Junge. Chinchillas haben nur einen sehr geringen Flüssigkeitsbedarf, den sie durch Verzehr von Früchten decken können. Der dichte weiche Pelz schützt nicht nur vor Hitze- und Kälteeinwirkung, sondern auch vor Verdunstung.

Entscheidungshilfen zur Anschaffung eines Chinchilla:
Ein Chinchilla kann bei artgerechter Haltung bis zu 20 Jahre alt werden.

Kann man so lange für das Tier sorgen?

Chinchillas sind in Anschaffung, Haltung, Pflege und Unterbringung anspruchsvoll und teuer.

Ist man bereit, diese Kosten zu übernehmen?

Chinchillas sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Sie schlafen tagsüber und brauchen Ruhe.

Als Kuschel- und Streicheltiere für Kinder sind sie nicht geeignet.

Chinchillas vertragen sich schlecht mit anderen kleinen Heimtieren.

Eine gemeinsame Haltung ist ausgeschlossen.

Chinchillas werden bei weitem nicht so zahm wie ein Meerschweinchen oder Zwerghasen. Chinchillas lassen sich nicht erziehen.

Tipps zu Haltung und Pflege
Chinchillas sind sehr bewegungs- und springfreudige Tiere. Deshalb brauchen sie einen möglichst großen Käfig als artgerechten Lebensraum. Da Chinchillas sehr neugierig sind und alles benagen, sollte die Käfigeinrichtung (auch die Bodenschale) nicht aus Kunststoff bestehen. Auch ein plastikummanteltes Gittergeflecht ist ungeeignet. Ideal eignen sich große Vogelvolieren die ausreichend Platz bieten, um das Schlafhäuschen, ein Sandbad und den Futternapf unterzubringen. Chinchilla-Zuchtkäfige, wie sie im Fachhandel angeboten werden, sind viel zu klein und müssen als tierquälerisch beurteilt werden. Empfehlenswert ist die Anbringung eines Wasserspenders (Kaninchentränke) und einer Heuraufe. Von besonderer Bedeutung für die Fellpflege und das Wohlbefinden des Tieres ist das tägliche Bad in einem Chinchilla-Spezialsand, der im Zoofachhandel erhältlich ist.

Die Ernährung des Chinchilla
Die Ernährung des Chinchilla muß den natürlichen Gegebenheiten möglichst gut angepaßt sein. Chinchillas sind karge Nahrung gewöhnt und brauchen genügend Ballaststoffe um gesund zu bleiben. Man sollte deshalb fett- und zuckerhaltige Leckerbissen (ungeschwefelte Rosinen, Nüsse, Kuchen) nur ganz knapp füttern, da sonst leicht Verstopfung auftritt, die zum Tode des Tieres führen kann. Beliebt sind pelletiertes Chinchilla-Futter und Alpenheu, da dem Chinchilla besonders gut bekommt. Die Fütterung sollte prinzipiell erst abends erfolgen, wenn das Chinchilla munter wird.

Verwendete und weiterführende Literatur:

Grzimek, Bernhard: Grzimeks Tierleben, Enzyklopädie des Tierreichs

Kindler Verlag, Zürich 1969

Mösslacher, E.: Chinchillazucht für jeden verständlich gemacht.

Albrecht Philler Verlag, Minden

Röder-Thiede, Maike: Chinchillas als Heimtiere

Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München 1992

Schreiber, G.: Zuchtverfahren und Vermehrung

Albrecht Philler Verlag, Minden

(W.-D. Kavasch 2001)