20.10.09 21 Tiere mit spektakulärer Aktion befreit

Tierschutz Beamte lassen Tür aufbohren und werden wüst beschimpft
19 Hunde der Rasse Shih-Tzu warten derzeit im Tierheim Nördlingen auf neue verantwortungsvolle und tierliebe Besitzer. Die brauchen sie auch, denn die im Durchschnitt ein zweijährigen kleinen Hunde haben schon einiges hinter sich in ihrem jungen Leben.
Katastrophale Verhältnisse
„Vor Kurzem haben wir die Tiere zusammen mit der Dinkelsbühler Polizei, dem städtischen Bauamt und dem Veterinäramt Ansbach aus katastrophalen tierschutzwidrigen Verhältnissen befreit“, erklärte dazu der Vorsitzende des Tierschutzvereins Nördlingen, Dr. Wulf-Dietrich Kavasch. 21 Hunde und Katzen seien hier zusammengepfercht untergebracht gewesen, in einem kleinen Haus von 70 bis 80 Quadratmeter Fläche. Entsprechend verwahrlost hätten sie ausgeschaut, so der Tierarzt aus Hohenaltheim: „ Die Tiere haben gestunken, waren vollkommen verkotet und das Fell verfilzt“, erinnert er an den Einsatz.
Da es in Dinkelsbühl keinen Tierschutzverein gebe, sie der Nördlinger Verein der Ansprechpartner für derartige Einsätze im fränkischen Nachbarlandkreis. Freiwillig hätten die Besitzer, die illegal in eine Wohngebiet eine Hundezucht betrieben hätten, die Tiere natürlich nicht hergegeben. „Zwei Schlosser haben die Tür aufbohren müssen“, so Kavasch. Polizei und Tierfreunde seien außerdem von den Hundehaltern wüst beschimpft worden.
Strafanzeige erstattet
Wegen der „massivst beleidigenden Äußerungen“ bestätigte im Gespräch mit unserer Zeitung der Chef der Dinkelsbühler Polizeiinspektion Walter Straß, sei mittlerweile auch Strafanzeige gegen die ehemaligen Hundebesitzer gestellt worden.
Mit dem Einsatz sei ein Schlusspunkt hinter einem seit Jahren bekannten Fall gesetzt worden, so der Fachgebietsleiter Bauverwaltung der Stadt Dinkelsbühl, Peter Koller, zum Fall. „Es gab immer wieder Beschwerden der Nachbarn, die sich wegen der hygienischen Verhältnisse und vor allem wegen der enormen Lärmbelästigung beschwerten.“
Diese Leute hätten bis zu 25 Hunde und dazu noch etliche Katzen regelrecht gesammelt. „Wenn nacht ein Hunde angefangen hat zu bellen, dann haben alle mitgebellt“, sei das auf die Dauer natürlich vom Immissionsschutz her untragbar gewesen.
Jahrelang habe man versucht, sich gütlich mit den Betroffenen auseinanderzusetzen. „Aber alle Schreiben von uns wurden ignoriert, und wenn wir vor Ort waren, hat man uns nicht mal geöffnet bzw. uns nur beschimpft.“ Der Tropfen, der dann schließlich das Fass zum Überlaufen gebracht habe, sie ein regelrechtes „Hundefangen“ vor zirka zwei Monaten gewesen. „Da sind die über 20 Hunde ausgebüchst und wir haben alle Hände voll zu tun gehabt, sie wieder einzufangen“. Gott sei Dank sei es hier zu keinem Unfall gekommen.
Drei Wochen Frist
Daraufhin aber habe man sich entschlossen, durchzugreifen. Es wurde das Veterinäramt hinzugezogen, um sicherzustellen, dass die Hundehalter aus tierschutzrechtlichen Gründen enteignet werden dürften und der Nördlinger Tieschutzverein, damit die Hunde untergebracht werden könnten. Als Vollzugshilfe wurde die Polizei hinzugezogen. „Jetzt ist es vom Tisch und die Sache ausgestanden“, so Koller.
Nicht aber für das Nördlinger Tierheim. „ Wir haben drei Wochen verstreichen lassen müssen, bis es möglich war, die Tiere zu Vermittlung freizugeben, weil bis dahin Rechtsmittel eingelegt werden konnten“, erklärte Kavasch.
Nun aber gehe es darum, die kleinen Wollknäuel in liebe Hände abzugeben. „Tagelang war eine Tierfriseuse damit beschäftigt, die schlimmsten Folgen der Vernachlässigung zu beseitigen.“
Natürlich seien dem Tierschutzverein durch diesen Einsatz und die lange Vermittlungssperre erhebliche Kosten entstanden, die nicht ersetzt werden. „ Der Tierschutzverein bittet deshalb alle Tierfreunde um eine Spende auf das Konto 700 76 bei der Raiffeisen-Volksbank Ries eG, BLZ 720 693 29 unter dem Betreff „Shih-Tzu“.



